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Sing it like Beckham

von Schuer am 11.02.2008

Neulich ging’s um The National (in »2007: Platten, die überzeugten«) und Matt Berningers tiefartige Singstimme. An dieser Stelle nun: Müsste ich singen und könnte mir die passende Stimme dazu aussuchen, hätte ich gerne eine Mischung dieser fünf:

  • 5. Steven Tyler, Aerosmith

    Bild: Tpape, http://flickr.com/photos/tpape/557785655/Im Gegensatz zu AC/DCs Brian Johnson, den Zigarettenkonsum und Pressatmung langsam dahin riffraffen, scheint Steven Tyler auch im hohen Alter noch immer recht fit – nicht entspannt – im Hals zu sein. Besonders auffällig wird das immer dann, wenn sich angehende Casting-Opfer mit durchaus passablen Stimmen an »I don’t want to miss a thing« versuchen und noch vor der Bridge jämmerlich verrecken. »I don’t wanna faaaaaall asleeeep..« (bei 03:32) kann niemand auf der Welt so melodisch kotzen wie Steven Tyler.

  • 4. Richard Ashcroft, Ex-The Verve

    Bild: qnibert00, http://flickr.com/photos/qnibert/279752494/Es soll Leute geben, die »Bitter Sweet Symphony« als den Popsong des Jahrhunderts bezeichnen – wenn nicht, habe ich es mir gerade ausgedacht. Das Lied hat nichtmal einen richtigen Refrain (Pearl Jam hat das mit 3/4 ihres Repertoires geschafft), fühlt sich aber so an, als liefe es im Dauer-Chorus. Besondere Merkmale: das Knarzen der ashcroftschen Stimme, wenn sie sich von unten nach oben hangelt, anstatt direkt dorthin zu springen. Übersteuern, ohne auszubrechen. Rotzig, dreckig, aber immer auch lovely. Ashcrofts Frequenzspektrum könnte man kaum aus einer Geräuschkulisse extrahieren; aber wenn man genau hinhört, bemerkt man ein leichtes Schimmern. »As he faced the sun he cast no shadow.« (Oasis)

  • 3. Xavier Naidoo, Söhne Mannheims

    Bild: Howie_Berlin, http://flickr.com/photos/howie_berlin/366353927/Wer an dieser Stelle aussteigen möchte: bittesehr. Man kann ihn ignorieren, verachten, beneiden oder bemitleiden; aber sollte man sich dazu entscheiden, ihm zuzuhören, wird man bemerken, wie großartig seine Stimme ist.
    Nur fehlt seinen Liedern heute etwas. Damals hatten sie – wenn man dafür empfänglich war – Seele und Bass, waren nicht von dieser Welt.
    Heute sampelt es vor sich hin, und dieser Weg will ein leichter sein. Wo willst du hin, Xavier? »Jah is changing all«.

  • 2. Adam Duritz, Counting Crows

    Bild: It's been so long since I've seen the ocean, http://flickr.com/photos/kittenlovers/2236951452/Die Band lebt fast ausschließlich von Duritz’ Stimme. Die Musiker sind vermutlich beliebig austauschbar, und selbst dirty ol’ Slash könnte die Gitarre bedienen, solange man nur die Crows nicht um ihre Stimme beschneidet.
    Die Musik schlendert entsprechend unfokussiert durch Gegenden zwischen brilliant und la-la, Hollywood und somewhere in Baltimore, Radio Eins und VH-1. Nur seine Stimme, die klingt immer gleich, auch wenn sie jeden ihrer Songs live vollkommen anders als im Studio spielen. »All of the beautiful colors are very very meaningful.« (Mr. Jones)

  • 1. Brian Molko, Placebo

    Bild: Vento di Grecale, http://flickr.com/photos/ventodigrecale/177202826/Klingt gepresst und kommt dennoch bis nach ganz vorne. Scheint in den höheren Lagen zu zerbrechen und schafft es immer, penetrant durchzuhalten. Singt traurig, macht aber glücklich. Wirkt abwesend und steht dabei direkt neben dir.
    Ich habe nie ernsthaft verstanden, was an Placebo so genial ist. Und es interessiert mich einen Scheißdreck. »Baby.. did you forget to take your meds?« (Meds)

Gründe nach Skandinavien auszuwandern

Gastbeitrag von Götz am 09.02.2008

Deutschland ist ein schönes Land, doch kann es nicht schaden auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, wo es weitere schöne Plätze zum Leben gibt. Manche finden solche Plätze auf der Insel, andere in Schweden.

Ich selbst habe das Vergnügen zur Zeit einige Monate in Stockholm verbringen zu dürfen, was mich auf die Idee brachte mir einmal Gedanken darüber zu machen, was denn dafür sprechen würde nach Skandinavien auszuwandern. Folgende Zusammenstellung ist dabei herausgekommen:

  • Wer kennt diese tollen und innovativen Unternehmen nicht? Ob nun IKEA, H&M, SCANIA und MySQL aus Schweden, Opera und Trolltech aus Norwegen oder im weiteren Sinne auch Nokia aus Finnland. Alle haben sie eines gemeinsam: Sie wurden in Skandinavien gegründet und bieten wohl mit die besten Produkte in ihren jeweiligen Marktsegmenten an. Bochum hin oder her.
    Und das Gute: Diese Liste endet mit drei Punkten, was soviel heißt, als daß man sie noch beliebig weiter führen könnte!

  • 4. Die Sprachen.

    Für jemanden, der der deutschen und der englischen Sprache mächtig ist ist es relativ einfach Schwedisch oder Norwegisch zu lernen. Und wenn man eine der beiden kann, kann man sich auch einigermaßen problemlos mit Sprechern der anderen unterhalten. Mit Finnisch klappt das zwar nicht, dafür hat man aber Vorteile, wenn man sich noch Dänisch oder Isländisch aneignen möchte.

  • 3. Die Landschaft.

    Ein weiterer Punkt, der eindeutig für Skandinavien spricht sind die atemberaubend schönen Landschaften Norwegens und Schwedens. Dünn besiedelte Gegenden in denen man die rauhe Natur in ihrer Ursprünglichkeit und Schönheit hautnah erleben kann. Und Sonnenuntergänge, von denen man in Deutschland nicht einmal träumt.

  • 2. Michel, Ronya, ABBA, Dr. Alban, Munch, …

    Wer kennt sie nicht, Michel, Ronya, Karlsson und weitere Figuren aus unserer Kindheit die uns, genau, die Schwedin Astrid Lindgren beschert hat. Aber nicht nur Kindheitserinnerungen werden wach, inzwischen läuft auch Mankells Kurt Wallander im Zweiten und der Name Ingmar Bergman ist auch fast jedem ein Begriff.
    Aber damit noch nicht genug. ABBA, Roxette und Ace of Base sind ja allgemein bekannt. Doch wer wußte schon, daß auch Dr. Alban und Rednex aus Schweden kommen?

    Und auch auf der Höhe der Zeit hat Schweden mit Mando Diao, The Hives, Audrey, Logh oder auch dem Esbjörn Svensson Trio einiges zu bieten.
    Norwegen ist zwar kleiner, steht mit a-ha, Espen Lind und Kaizers Orchestra Schweden jedoch auch in musikalischer Hinsicht in nichts nach. Außerdem haben uns die Norweger schließlich noch Aqua beschwert! Nicht zu vergessen auch Rebekka Bakken und mein momentan bevorzugter Pianist Ketil Bjørnstad.

    Doch auch abseits der Schriftstellerei und Musik hat sich der Norden einen Namen gemacht. Eines der bekanntesten Bilder der Welt, “Der Schrei“, stammt vom Norweger Edvard Munch.

    Wenn das keine guten Gründe sind, sich Skandinavien einmal genauer anzuschauen, dann …

  • 1. Die FrauenMenschen.

    … naja, dann kann nur noch der letzte Grund überzeugen. Man mag von Klischees halten was man will, doch die Schwedinnen und Norwegerinnen schneiden nach meinen bisherigen empirischen Untersuchungen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut ab. Und nebenbei bemerkt, auch wenn ich auf diesem Gebiet kein Experte bin, scheint das auch für die Schweden und Norweger zu gelten.

Und mal ehrlich, wenn selbst Michael Moore an Norwegen nichts auszusetzen hat, dann muß ja fast irgendwas dran sein.

(Für die Faulen gibt es hier noch die YouTube Playlist mit allen Links von oben.)

Fünf gute Gründe, für dieses Blog zu schreiben.

Gastbeitrag von einbeckersalterego am 08.02.2008

  • 5. Man kann es.

  • 4. Es folgen Ruhm, Ehre und Macht.

    Von den schönen Frauen ganz zu schweigen.

  • 3. Wir brauchen mehr Listen!

    Nur Indiepoprock hier, gespickt mit Falco und Bergehiphop. Da muss mehr gehen. Gerne auch mehr vom gleichen Scheiß, denn der ist ja bekanntlich heiß. Oder so. (Damals, in der Klasse 3b meiner Grundschule wurde ich ausgelacht, als ich auf die Frage nach dem Berufswunsch »Reimreiter« antwortete. Heute wisst ihr warum.)

  • 2. Bier.

    Auch wenn manche Netzbiergeschenke, die ich aussprach, schon seit gefühlten 10 Jahren auf Erfüllung warten (Irgendwann, Herr Shhhh! Versprochen!): Jeder neue Schreiberling kriegt, wenn er mir über den Weg läuft, ‘nen kühles Blondes in die Hand. Auch versprochen.

  • 1. Coldplay und Astra 2

    können ja nicht die einzigen heiß erwarteten Listen sein.

Falco († 06.02.1998)

von Orlando am 06.02.2008

Johann Hölzel war für mich so viel mehr als ein verkannt arroganter Popbarde, die Kunstfigur »Falco« mit all ihrer aufgesetzten Überheblichkeit die schier übermächtige Verkörperung eines Marvel-Comics. Intelligent, humorvoll, betroffen, kritisch, sensibel, exaltiert eben und zu alledem Whitexploitation-Literat und deutschsprachige Rap-Legende. Groß für einen Einzelnen, zu groß für dieses Land.

Von unten sieht Niveau manchmal aus wie Arroganz.

Von der Schickeria nie geliebt feiert er posthum ein Comeback in Form von C-Promis, die sich mit Anekdoten über »den Hans« wichtig machen und das, ja, selbst bei der akustischen Umweltverschmutzung namens Ö3, die ihn mit Häme überhäufte und boykottierte.

Um ihn ein wenig kennenzulernen sollte man ihm zuhören – eines seiner letzten Interviews: Frühstück bei mir: Falco (8,5 MB) – und seinen Texten.

  • Nehmen Sie hoch das Bein, treten Sie ein /
    Unser Tanz, er muss der nächste sein

  • 4. Yah – Vibration (1992)

    Als erstes suche ich nach einem adäquaten Platz /
    die Schönste sucht einstweilen nach geeignetem Ersatz /
    so kommt es, dass die nächste Zeit wir uns sehr wenig sehen /
    wer ein wahrer Sportsmann ist, der wird verstehen

  • The spirit of the money is the sound of the time /
    There’s something coming up to change our mind

  • 2. Wiener Blut (1988)

    … mit Mord und Totschlag haben wir nix am Hut

  • 1. Ganz Wien (1982) – Donauinsel, live. 1993.

    Überhaupt in der Ballsaison /
    Man sieht ganz Wien /
    Is’ so herrlich hin, hin, hin

Netzfundstück: Mash Me Amadeus von DJ Schmolli. (via)

Falcos 10. Todestag. Verdammt, wir leben noch …

Danke.

Schweizer Rap ist hochwertiges Deutsch für Fortgeschrittene

von Orlando am 04.02.2008

Die primitiven Kommunikatastrophen des neudeutschen Sprach-Prekariats nerven dermaßen, dass man sie an dieser Stelle gar nicht erwähnen sollte.

Schweizer Flagge Es gibt guten deutschsprachigen Rap und er kommt größtenteils aus der Schweiz. Mund-Art von Kehlkopfakrobaten. Zwar schwere Kost für das gemeine hochdeutsche Gehör, aber mit einiger Übung sehr bekömmlich. Hier also ein Potpourri aus Schwyzer­dütsch für Einsteiger, unterlegt mit feinen Beats.

Die Chweizer, D-A-CH-Westcoast. Gute Musik unter Vermeidung abgedroschener HipHop-Klischees.

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