(Tocotronic). Ja, ruhig war es hier in letzter Zeit. Das hatte jedoch keineswegs (na gut, hoffen wir doch mal ein bisschen) mit meinen Klausuren zu tun, die noch kommen werden — denn auch der Rest der Herren und Dame Mitblogger ist ein wenig in Stasis verfallen.
Während der WM lief Top 5 nur auf Sparflamme, und das hatte einen einfachen Grund: Große Schreiberlinge wie Mo, Lena, Malte und Co.und Videokünstler wie Toni Mahoni haben bereits alles gesagt. Nun ja, nicht alles, aber immer schön zeitnah, wie wir hier nicht sind und auch gar nicht unbedingt immer sein wollen.
Hier also eine kleine Retrospektive zur WM:
5. Was wir nicht vermissen müssen…
…schrieb schon der Herr Niemeyer auf und muss deshalb hier nicht weiter dikutiert werden.
4. Stadionbesuche
Yes. Ich war dabei. Kann meinen Kindern und Enkeln und Tanten erzählen, dass ich es live gesehen habe: Das wohl langweiligste Spiel der WM. 32 Euro waren nötig, um es halbwegs erträglich zu machen (Umrechnungskurs 1€ : 1/4 Bier). Um so erstaunlicher, wie ein gefülltes Olympiastadion es tatsächlich schaffte, trotzdem gute Stimmung zu machen — auch wenn bei jedem Herthaheimspiel versucht wird, den Gegenbeweis zu liefern.
3. Spieler vs. Mannschaft
Sie versuchen uns ja breit (und weit!) zu erklären, dass die einzelnen Spieler nichts mehr bedeuten. Das das Kollektiv, was auch immer das bedeutet (nachgeschlagen haben sie ja eh nicht), auferstanden ist und die Genialität Einzelner erdrückt. Stimmt aber nicht: Eine Einwechslung von David Odonkor bringt dem deutschen Team mehr als Jan Ulrichs Eigenblutpräperate (noch nicht mal richtig dopen kann der!). Brasilien scheidet aus, weil Ronaldinho eben nicht Pele ist. Frankreich verliert, weil Trezeguet zu nervös ist, 379 Quadratzentimeter in 178.608 Quadratzentimetern unterzubringen. Italien gewinnt, weil Materazzi die bessere Beleidigung parat hatte (siehe auch: Monkey Island). Und Frankreich wird doch noch Weltmeister, weil der Zizu das hier bestimmt von langer Hand geplant hat. Schlitzohr, der.
2. Public Viewing
Leipzig, Berlin, Köln, egal: wo man auch hinkam, war es perfekt. Spanische Trompeter, die die deutsche Nationalhymne tröten. Engländer, die einem nach zu vielen Bieren zugeben, dass der Ball ‘66 wohl doch nicht drin war. Und mit denen man heute noch befreundet ist, obwohl man sie nur einmal in Leipzig getroffen hat. Und dann nochmal, im Stadion. Zufälle gibts. Jedenfalls war die Stimmung, abgesehen von unsinnigen “Nie wieder Pizza!”-Rufen und -fern, wirklich grandios, so dass ich als alter Verachter des Nationalismus trotzdem irgendwie froh bin, wie das ganze hier ablief. Hut(h) ab!
1. Deutschland
Zuallerst das Nationalteam: Der erfrischenste Fußball dieses Turnier, wer hätte es vorher für möglich gehalten, wurde von Deutschland gespielt. Und wir hatten keinen Kapitän, der andere angreift. Und wir hatten den 1b-besten Torwart. und Philip Lahm. Und die zuvor so gescholtene Innenverteidigung. Und Frings, der nur einmal nicht dabei war (wo wohl?). Und Balack, den wohl unterbewertetsten Mittelfeldspieler in Deutschland (Oh, Chelsea). Und den Sturm. (Von Friedrich rede ich einfach nicht). Ach so: Und der Rest, 82 Mio Deutsche, Deutschtürken, Türkendeutsche, Griechischdeutsche, Fandeutsche, Bierdeutsche, Freundlichdeutsche(!), Feierdeutsche(!), Guteverliererdeutsche(!). Ich bin ja sogar kurz davor zu sagen, stolz Deutscher zu sein, so toll waren die letzten vier Wochen. Naja, fast.
2 Kommentare // joerg: Hätt ich das mal vor meiner Tipabgabe gelesen. (gepostet in der 78. Minute beim Stande von 3:1)// Schuer: Sic!