Thema »Bunte Republik«

Buntes 2006

von einbecker am 20.06.2006

Wie jedes Jahr im Juni feierte sich die Dredsdner Neustadt letztes Wochenende selbst: Ca. 150.000 Besucher kamen zur 16. Bunten Republik Neustadt. Zwar wurde das Fest auch von den üblichen Krawallmachern heimgesucht, die mit Glasflaschen und Steinen ein Auto und die Scheibe einer Straßenbahnhaltestelle hinrichteten, ansonsten aber wurde gut gefeiert, getanzt, getrunken, gespielt und genossen. Fotos gibts bei Flickr, ein Video kommt später. Die Highlights:

  • 5. Der Blick von der Martin-Luther-Kirche

    Die Kirche, die man auf Martins Photo sehen kann, ermöglicht einen klasse Blick über die Menschen auf der Straße. Meine Mitbewohnerin hat Fotos gemacht, folgen also später.

  • 4. Die schwarz-grüne Ordnungsmacht

    Tagsüber ist die BRN das Fest, wie man sich Feste vorstellt: Spaß für Jung und alt — und unbehelmte, ungepanzerte Polizisten in schnöden braungrün und Kleinstgruppen, die freundlich lächeln. Abends, wenn dann bei einigen (hoffentlich nicht der Polizei) der Alkoholpegel höher ist, marschieren die Hüter des Rechts durch die Straßen, als ob Robocop keine Utopie war: In Schwarz, vermummt, mindestens zu zehnt und dick eingepanzert. Wenn dann am Samstag abend Hunderte dieser schwarzen Klopse eine Straße abriegeln, auf der dann 30 Leute langehen — und man nicht auf die andere Seite der Absperrung darf, und die, die auf der anderen Seite sind, nicht auf die eigene Seite dürfen — das ist irgendwie fast schon wieder niedlich. Genauso niedlich wie der Spruch, der nach ?ñffnung der Straße vom (NRW-)Polizisten kam: »Muss für Euch ja fast wie bei der Maueröffnung sein.« Ah, ja.

  • 3. Die Musik

    Innerhalb der Neustadt ging das Feiern weiter, auch wenn die Herren Polizisten draußen alles abriegelten. Und wie es da die ganze Zeit weiter ging: Auf welchem Fest gibt es sonst noch Klezmer, Punk, Liedermacher, Rock, Punkcover (auf Zuruf!), Sirtaki, türkische Musik, Drum’n'Bass, R’n'B, Hare Krishna, Salsa, Tango, Balalaika, Ukulele und Harfe zusammen, meist nicht mehr als 20 Meter voneinander entfernt und sich dabei (un-)harmonisch überbietend? Nicht zu vergessen die Iren, die beim Verlassen des Pubs noch ihrem (oder Billy Joels?) Pianoman ein Ständchen sangen.

  • 2. Die Menschen

    Sicher, es gab auch wieder die großen Bier- und Bratwurststände von Leuten, die wohl sonst keinen Fuß in die Neustadt setzen würden. Aber (gefühlt) ist das wohl auch wieder weniger geworden, dafür mehr Kinder mit Bauchladen, die selbstgemachte Limo, Nussecken oder Zöpfe für je 50 Cent verkauften. Oder die Cuba Libre für um die drei Euro, die überall in der Neustadt mit Havana Club (oder besser) gemixt wurden. Oder die Krebsfleischbällchen, Die indischen Wraps oder die Waffeln mit Sirup nach Wahl (in Länderfarben). Oder das Riesenspielzeug auf der Talstraße (2-Meter-Schaukelkamel, mannshohe Mikadostäbchen, Wasserflaschenkanone (nach oben), Karussel (!) und Bauklötze). Alles gemacht von Menschen, die zwar (teilweise) auch etwas daran verdient haben, aber großteils es einfach aus Spaß an der Freude gemacht haben. Danke!

  • 1. Die Neustadt

    Es ist immer wieder erstaunlich, was dieser Stadtteil auf die Beine stellen kann. Vor vier Jahren zog ich her, ursprünglich für eine kurze Verweilzeit — man will ja noch etwas anderes sehen in der Welt. Auch wenn es wohl in ein, zwei Jahren doch weiter gehen wird, im Moment kann ich keinen besseren Ort zum Leben vorstellen. Über 50% Grünenwähler, ein Altersschnitt von 19 Jahren, eine Bausubstanz (Gründerzeit), die es wohl in der Form nirgends sonst in Deutschland noch so erhalten ist, eine Kneipenszene, die immer neues zu bieten hat und sich dann doch nicht in den Schick eines Prenzlauer Bergs flüchtet, Alte Menschen, die den kleinen Kindern Schach beibringen und dazu noch grün im Alaunpark, der Heide und im Umland. Und ein Fest, wie es keins gibt. I think I like you.

Bunte Republik

von einbecker am 20.06.2005

Freitag bis Sonntag war es wieder so weit: Bunte Republik Neustadt. Dresdens Vorzeige-Alternativ-Viertel putzte sich raus, stellte Tische auf die Straße und Bretter auf Bierkisten, damit die Musiker ihre Zuschauer besser besingen können. Planschbecken wurden gefüllt, Karaoke gesungen und hier und da wohl auch ein Bier getrunken. Das ganze mit 100000 Leuten, die über das Wochenende hier waren. Hier also meine ganz persönliche Liste der fünf besten Erlebnisse des letzten Wochenendes:

  • 5. Flaschenverbot

    Damit sich irgendwelche Deppen nicht gegenseitig die Schädel einschlagen, war es das ganze Wochenende nicht erlaubt, Glasflaschen in der Hand zu halten. Freitag, 17:00 Uhr, Tobias L. bewegt sich zu Freunden, um sich ein wenig auf das Fest einzustimmen. Mit dabei: 2 Flaschen Bier (ja, aus Glas). Natürlich wurde ich freundlich von einem der Herren in grün (und davon gab es einige, später auch gerne mit Lukes Vater verwechselt) auf eine Polizeiverordnung hingewiesen, die mir das Tragen von Bierflaschen im Gültigkeitsbereich eben dieser untersagt. Meine Entgegnung, dass ich nicht beabsichtige, damit den besagten Gültigkeitsbereich zu betreten, konnte er nur müde lächelnd mit einem »dann noch einen schönen Tag« kontern.

  • 4. Spiel- und Talstraße

    Diesmal etwas abgerutscht ist die Siedlung Talstraße, die sonst immer mit Großspielgerät für die kleinen Neustädter glänzt: Menschliche Kegelspiele am Seil oder ein Karussel aus Einkaufswagen. Es war nicht viel los dieses Jahr (und ich baue auf das nächste!), allerdings hat sie sich den vierten Platz locker mit den Biervorräten von Freunden geholt. Denn der Bierpreis (1,5 bis 2,2 €) war dieses Jahr so gestiegen, dass man doch des öfteren auf privates Vergnügen wechselte (oder die Staropramen-Dose meines Vertrauens für die gute Ein-Euro-Münze).

  • 3. Punk ain’t dead

    Hier in Dresden wird, anders als in bestimmten Westdeutschen Großstädten, Punk noch großgeschrieben. Auch wenn Text (»Sex mit einem Schlagzeuger«) und Musik (yes, Punk-Geschrammel at its best) uns doch etwas belustigten, war es doch wirklich Punk: Scheiß aufs Alter (von 13 bis 55 war alles Vertreten), scheiß auf den Tanzstil (natürlich: Pogo! Und die Band, allerdings (Safer-Sex?) ohne Schlagzeuger, immer mittendrin). Alles egal, außer das hier und jetzt — und das war dann doch wieder sehr schön. Und wo wir gerade bei Musik sind:

  • 2. Robert And The Roboters

    Die Dresdener Urgesteine, hier ja schon in der Rubrik Best Of Surf vertreten, haben wieder die Groove Station (bzw. deren Außengelände) gerockt. Sonntag nachmittag, Band und Publikum mit Katerstimmung, die wahlweise mit Apfelschorle, Afri-Cola oder Flens vertrieben wird. Halt, nein: die wurden dann ganz schnell als Dehydrationsgegenmittel gegen das Tanzschwitzen eingesetzt. Den Kater vertrieben hat die gute Musik und Roberts großartige Art, ihre Auftritte zu moderieren.

  • 1. 11 Uhr, die Neustadt schläft

    An anderen Tagen im Jahr ist die Neustadt vielleicht um 4 so leer wie Sonntag um 11. Ich gehe durch die Stadt, um die Auftrittszeit von Nummer zwei herauszufinden. Und um zuzusehen, wie so langsam die Leute ihre Tische herausholen, auf die Straße stellen und mit Frühstücken anfangen. Das ein oder andere Opfer des Vorabends findet sich auch, wahlweise im Alaunpark in den Schlafsack gekuschelt oder aber noch über den Gehsteig schwankend. Und überall Kinder, die die Planschbecken und Spielplätze bevölkern. Und während ich da so lang gehe, denke ich mir: »BRN darf gerne das ganze Jahr gehen«. Und auch wenn ich auch weiß, dass dem nicht so ist, bin ich doch froh, hier zu wohnen. Denn anders, das ist die Neustadt auch so.