Thema »Best-of-a-Band«

2007: Public Enemy #1

von Orlando am 05.01.2008

7 Kommentare // Orlando: Götz, ich habe mir Freundeskreis jetzt näher angehört. Die Texte sind tatsächlich gut, doch unte…// einbecker: Ich sag mal, betrunken wie ich bin: P.E. sind mal wirklich großartig.// Orlando: Schuer, bist du der zweite, den ich hier anstecke? Dabei hätte ich ja noch so viele Empfehlungen in…// Schuer: Großartig, Götz! Vielen Dank dafür, ich klickere die Playlist gerade durch. Orlando, ich hatte…// Götz: Nun, Du hast die mit den, zumindest wie ich finde sprachlich besten Texten überhaupt vergessen: Fre… // […]

Unglaublich eigentlich. Auf der Couch lümmelnd der Zufallsplaylist lauschend spricht Chuck D die Worte »That’s right. Public Enemy #1. 20 years.« zu mir und ich kann es zunächst nicht glauben. Kann das sein? 1987? Die akribisch gepflegten iTunes-Metadaten bestätigen ihn. Ich höre seit 20 Jahren Rap.

Guten Rap mit ausgefeilten Texten und einer Botschaft. Public Enemy, politisch, radikal, the black CNN. Native, nicht Indie. Kein Vergleich mit deutscher Ghettobarbarei, deren Protagonisten künftig Fußgängerzonen verunsichern und Passanten mit »Haste Worte?« anschnorren werden. Hier also die Meilensteine zwanzigjährigen Schaffens in Form der besten fünf (von insgesamt zwölf) Alben und deren jeweils besten Tracks.

5. It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back (1988)
Public Enemy - It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back
Old School, aber eingängiger als das erste Album »Yo! Bum Rush The Show« und schon damals harten Gitarren nicht abgeneigt.

 

4. Fear Of A Black Planet (1990)
Public Enemy - Fear Of A Black Planet
Rap steigt auf in den Olymp kommerzieller Verwertung und läuft auf MTV von nun an in einer Endlosschleife.

 

3. New Whirl Odor (2005)
Public Enemy - New Whirl Odor

 

2. How You Sell Soul To A Soulless People Who Sold Their Soul? (2007)
Public Enemy - How You Sell Soul To A Soulless People Who Sold Their Soul?

 

1. Apocalypse 91 … The Enemy Strikes Black (1991)
Public Enemy - Apocalypse 91 The Enemy Strikes Black
In Summe ist es das wichtigste PE-Album. Sprachgewaltig und zeitlos.

 

Pfad der Toten

von einbecker am 07.11.2006

1 Kommentar // wiesengrund: munkle munkel, es ist aber doch so schwierig, verdammt. weißt du was? es ist leider kein album gewo…

Und Ihr werdet uns am Pfad der Toten erkennen[, den wir hinterlassen]: …And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Ein Witz, keine Anspielung auf Mayas oder das Instrumentalzerlegeverhalten auf den Bühnen, die sie zur Missionierung des Indievolkes besuchen. Und gleichzeitig ein Erlebnis, nicht nur — aber auch — live, sondern schon beim Albumhören, wenn einem das neueste Versatzstück der letzten Jahrzehnte Rockgeschichte um die Ohren geschleudert und neu verdrahtet wird. Da werden Hymnen geschrammelt und getrommelt, Epen geschrien und pausiert, Hauptsache dem geneigten Hören fliegt das Soundequipment um die Ohren. So Divided heißt das neue Machwerk, weshalb mir jetzt die unlösbare Aufgabe zuteil kommt, fünf der alten Klassiker zu benennen. Ich werde scheitern:

5. Mach Schau (Secret Of Elena’s Tomb EP)

4. Mistakes & Regrets (Madonna)

3. Worlds Apart (Worlds Apart)

2. It Was There That I Saw You (Source Tags & Codes)

1. Will You Smile Again (Worlds Apart)

Bitte jeweils aus den folgenden Bruchstücken schlüssige Beschreibungen der Lieder und Gründe für diese Platzierung formulieren (ich bin dazu nicht fähig): »… zerstörend…« »… Song Nummer zwei einer Trail-Of-Dead-Platte…« »… besser hinsetzen, sonst…« »… wie eine Bierdusche beim Festival Deiner Wahl: völlig überflüssig, aber doch erfrischend…« »… der Mund: offen…« »… gerockt, bis zum…« »… das ist so gut, dass…« »… und dann diese Pause macht, nur um daraufhin…« »… der coolste Kindergesang seit Jackson Five…« »… nochmal so richtig losschlagen…« »… und dann: der Höhepunkt!…« »… wie die Brandung an…« »… die Fragezeichen werden nicht…« »… Oh ja,…« »… Gut!…« »… wechseln die Instrumente…« »… treibend…« »… melodisch…« »… wirr…« »… und vieles mehr bietet…« .

Und diese Auswahl, sie tut mir jetzt schon leid. Eine EP und vier Alben gibt es, alle so unglaublich gut, dass jeder hier lesende eigentlich eh schon davon gehört haben sollte. Und eine neue kommt dazu. Und die Erwartungen, die sind berechtigterweise hoch, und werden, so munkelt man (und auch die Spex) erfüllt.

Rockin’ The Suburbs

von einbecker am 20.04.2006

3 Kommentare // Schür: Zu lange Kommentare sind sogar äußerst gerne gesehen :-) Stefan, du hast ja sogar eine richtige To…// einbecker: Der Paukenschlag ist wirklich Großartig, Liebeslieder hat der gute Herr wirklich drauf -- und die V…// Stefan: Das wären meine Ben-Folds-Top-5: 5. The Luckiest (Rockin' The Suburbs): Wenn ich Liebeslieder schr…

(Die Chinaserie wartet immer noch etwas ungeduldig auf der Startgraden — die Zeit, werte Leser, die Zeit!)

Sonntag morgen. Die Croissants duften frisch, die Pancakes kommen just aus der Pfanne und der Milchschaum wird genüsslich geschlürft. (Warum ist heute erst Donnerstag?) Dazu kommt natürlich Musik, um den perfekten Augenblick (denken wir uns 25°C und Sonne dazu) zu untermalen. Sicher, dass kann Norah Jones oder Jack Johnson sein. Wenn es vor sich hin plätschern soll. Wer Qualitätsmusik sucht, die auch ohne Zwischenreden auskommt, wird früher oder später bei Ben Folds landen. Hier fünf Lieder, die das Marmeladenbrötchen würzen:

5. One Angry Dwarf and 200 Solemn Faces (Whatever And Amen)
Der Ärzte »Zu Spät« auf Englisch und gut. Schwer zu verstehen, bei dem ganzen geklimper, aber man kann es ja nachlesen: »If you really wanna see me, check the papers and the tv. Looks who’s telling who what to do.« Das ganze in der Dreier-»Five«-Besetzung schnell und ein wenig funky eingespielt.

4. Zak And Sara (Rockin’ The Suburbs)
Das schnelle Klavier am Anfang verschwimmt zu einer leichten, sanften Melodie. Die Foldsche Stimme setzt ein, ein paar »Badada«s kommen dazu. Ein junges Pärchen aus dem Südwesten. Auch wenn man es nicht (gleich) versteht, es macht schon sinn, was er uns sagen will. Und diese Melodie und Stimme, die es einem erlaubt, die aufmerksamkeit von 50 auf 100 Prozent zu verstellen, wann immer man will.

3. Army (The Unauthorized Biography of Reinhold Messner)
Neben einem der größten Albumtitel der letzten Jahre besticht dieser Song durch die Dynamik, schnell, laut, leise, ruhig — gleitendes Piano, Stilwechsel und noch viel mehr. »I’ve been thinking a lot today.« Ganz egal, ob Folds nun wirklilch in der Armee war oder nicht: Darüber sollte man mal nachdenken.

2. Philosophy (Ben Folds Five)
Hier startet der Gesang vor der Melodie und entblößt die zerbrechliche Schönheit Folds Stimme. Dann treibt das Piano, die Drums und der Bass und machen aus dem Stück wohl das Vorzeigeexempel der Triozeit: Harmonien, gegenseitiges Antreiben, Jazz, Funk: »punk rock for sissies«

1. Gracie (Songs For The Silverman)
Die eigene Tochter ist Thema dieses ruhig vor sich hintreibenden Songs. Nur das Piano trägt die Stimme, wiegt sie sanft hin und her, von dur nach moll, von langsam zu Pause. Immer wenn es persönlich wird, kommt dieses Gänsehautgefühl, das auch »Late« begleitet, ein Tribute an den viel zu früh gestorbenen Elliott Smith — der Gerüchten zu Folge hörte er eine Platte seines guten Freundes Ben Folds, als er sich das Leben nahm. Zurück aber zu Gracie: Hätte mein Vater ein Lied über mich geschrieben, und wäre das Resultat auch nur halb so schön wie dieses: Ich würde ihn lieben. Und dieses Lied.

Indieschlampe

von einbecker am 30.01.2006

5 Kommentare // Kolbich: Kommen die Illuminaten nicht auch aus Ingolstadt?// einbecker: So viele warens dann auch wieder nicht. Und die betreffende hatte da keine Lust auf ein Konzert. Nun…// Els: Dahin hättest du die Frauen mitnehmen sollen!// einbecker: Kann ich mir sehr gut vorstellen -- leider war ich, als sie hier in Dresden spielten, anderweitig un…// Els: und so sympathisch die band! so nett! auf konzerten und so. Absolute Sympathieträger und eine perfe…

Sie kommen wie Audi aus Ingolstadt, klingen aber weniger nach V8 und mehr nach Gitarre, Melodie, Melancholie und, ab und an, einer Prise Schrei. Als zweiter Teil der Serie Indieperlen aus heimatlichen Gefilden nun also: Slut.

5. It was easier
2001 erregten Slut größere mediale Aufmerksamkeit, als diese Single vom »Lookbook« auch im Mainstreamradio auftauchte. Auch auf meinem Radar war es der erste Slut-Bleap, der mich aber sofort anfixte und zu einem Album führte, das nicht minder schön ist als dieser Song: Melodien, die melancholisch über zarte Arrangements gleiten, das Werk in einem Guß erscheinen lassen und doch ab und an aus dem Rahmen fallen.

4. Why Pourquoi
War voriger Song für viele der Slutdurchbruch, so konnten sie doch mit diesem hier noch etwas mehr Zuschauer erreichen: Er wurde auf dem Raabschen Bundesvision Songcontest gespielt, floppte dort aber dank völlig anderer Zielgruppe trotz Kinderchors. Und wenn Songs einen berühren, weil der Inhalt so alltagstauglich ist, kann das ja erstmal nichts schlechtes sein. »I think I like you, but not enough.« Sometimes, it just feels this way.

3. Wasted
Da sind sie, die Schreie: Zumindest ich verstehe kein Wort, was dort geschrien wird, Aber das braucht es auch nicht. Und sie stören auch nicht, sondern stellen ein Ausrufezeichen hinter das, was die Melodie parallel vorgibt. Melodiöser wurde zuletzt in Zeiten von Rage geschrien.

2. I can Wait
Ingolstadt ist nicht weit von Weilheim entfernt, und da verwundert auch die klangliche Nähe mancher Slutstücke zu Werken aus dem Hause Notwist nur wenig. Sehr ruhig, mit der Titelzeile als Begleitgesang über die gesamten dreieinhalb Minuten, mit ein wenig E-Piano und leisen Becken- und Bassschlägen im Hintergrund, so dass das Lied trotz der Zärte doch nie zerbricht.

1. Easy To Love
Da wird das Tanzbein von harten Gitarrenschlägen getrieben, eine klassische Songstruktur (leise/laut, Strophe/Refrain) umhüllt dieses Meisterwerk, dass auch zu den besten Stücken zählen würde, die Placebo je geschrieben haben (wenn Placebo es denn geschrieben hätte). So ist es ein Slutsches Meisterwerk, so rund wie die Ringe eines Audis und doch so kantig wie dessen Singleframekühler. Johnny erwähnte neulich bei ABCs »The Look Of Love«, dass gute Songs ohne eine Eröffnung durch den Refrain auskommen. Gut aufgepasst, werte Slut.

Kraus, Roboterpolizist

von einbecker am 26.01.2006

Als Einstieg in eine kleine Serie über Indiepoprockbands aus deutschen Landen fangen wir heute in Nürnberg an, wo neben dem zweitbekanntesten Weihnachtsmarkt der Welt und ein paar Würsten auch noch eine 80er-Revivalband existiert, die weder nach deutsch noch nach 80er-Revival klingt: the Robocop Kraus. Hier eine musikalische Auswahl, fünf Perlen aus einer Perlenkette, die blinkt und glitzert:

5. After Laughter Comes Tears
Es gibt diesen Moment, der das schöne zum bitteren werden lässt, der die Wagschaale herunterbefördert und alles blöd aussehen lässt. Richard Ashcroft sang dafür seine »Bitter Sweet Symphony«, the Robocop Kraus dieses Lied, das die Stimmung zum Inhalt zum Titel gemacht hat.

4. Too True To Be Good
Wortspielunsicherheit ist wohl das Wort, das noch nie in einem Robocop-Kraus-Review auftauchte. Denn es hat dort auch nichts zu suchen: »In Fact, Your Just Fiction«, »There Are Better Lights In Hollywood« oder eben dieses Stück zeigen neben Wortwitz auch noch, das man kleine Geschichten in kurzen Songs erzählen kann, ohne Melodie, Tanzbarkeit und viel mehr zu opfern.

3. Nihil Disco
Was The Arcade Fire letztes Jahr herausgebracht haben, war ein Meisterwerk, das bei mir leider erst so richtig groß geworden ist, nachdem ich meine Jahrescharts aufstellte. Dabei ist da ja auch ein Klanghauch von Nihil Disco zu hören, das zudem noch mit dem Universalzitat für dreckige Tage aufwartet: »All the happy people should be smashed to smithereens!«

2. You Make The Boys Shy
Die Hardcorevergangenheit ist hier noch deutlich zu hören, die Gitarre entflieht des öfteren der Melodie, um sich wahlweise ein paar harten Riffs oder ein wenig dem Funk zu widmen. Aber der Hang zum Pop ist trotz durchaus vorhandener destruktiver Elemente klar zu erkennen, der Weg sozusagen geebnet, um die besungenen tanzenden Mädchen bei ihrer Lieblingsbeschäftigung zu begleiten.

1. You Don’t Have To Shout
Handclaps, Marching-Band-Sound, ein wenig obskure Orgel dazu, und ein Sänger, der sich das ganze Lied über selbst wiederspricht. Und das ganze klingt nach Tanzbarkeit, England (englisch ausgesprochen), NYC und dem ganzen heißen Scheiß, der jetzt grade die Länder übervölkert. Und hat darin eindeutig seinen Platz verdient.

Richard Ashcroft - Let the melody shine.

von Schuer am 20.01.2006

6 Kommentare // joerg: Ich mach doch nur Spasz, ich bin doch selber zu jung für Roxy Music. (Aber zu alt für ArcticParkB…// Armin: Nun gib' mal nich so an, ich kenne die auch noch. Und behaupte mal ganz dreist dass ich noch jung bi…// joerg: Tss, die jungen Leute, jeden Furz den die englischen Indie Schrammler*) lassen kennen sie auswendig…// Schür: Okay, erste Einschätzung: Schlechtes gleich zum Einstieg: Why Not Nothing? Belangloses direk…// Schür: Ich kenne Roxy Music nicht, aber schlecht kann das gar nicht sein. // […]

Richard Ashcroft - Keys To The WorldEine der größten intensivsten Stimmen unserer Zeit, was jetzt eindeutig pathetischer klingt als es ist, erschien heute mit einem neuen Album Keys To The World. Ein guter Zeitpunkt, um die bisherigen Highlights anzubringen. Hier also die Top 5-Songs des Richard Ashcroft, Ex-The Verve-Sänger und derjenige, dem Oasis’ Noel Gallagher das Lied Cast No Shadow gewidmet hat.

Update 26.1.: Laut.de etwas ernüchternd über das neue Album: »[Es] fehlt den Songs das wahre Gefühl, die ernsthaft große Geste.«. Ihr müsst das laut hören, liebe Redaktion!

(Reinhören könnte ihr auf den verlinkten Seiten!)

5. Break The Night With Colour
Die neue Single verspricht Großartiges. Gewohnte Harmonien gleich am Anfang, bevor’s zum typisch schwebenden Refrain kommt, der über alles erhaben ist. Ashcroft-Fans lieben das Lied nach spätestens 3 Takten, das ist klar.

4. C’mon People (We’re Making It Now)
Songs, in dessen Lyrics multiple »Yeah«’s (oder »Na«’s) auftreten, sind selten langsam. C’mon People ist dementsprechend eins der schnelleren Stücke, was nicht heißen muss, dass es rennt oder hetzt. Es bleibt entspannt, »I feel fine now«.

3. Check The Meaning
Wahrscheinlich genau das Lied, das den Charakter Ashcrofts am deutlichsten wiedergibt. Check the Meaning ist Richards Street Fighting Man, sein Waterloo oder All You Need Is Love. Besondere Empfehlung der anwesenden Top 5-Redaktion: der Chris Potter Remix (leider nicht im Shop verfüg- und reinhörbar), der reduziert schwingt und das Lied knackig auf den Punkt bringt, ohne dabei an Eleganz zu verlieren.

2. A Song For The Lovers
Diesmal gleich die Empfehlung vorab: die Acoustic Version (leider nicht im Shop verfüg.. you know) ist das besondere Highlight. Das Original hingegen wirkt zu verspielt und aufgeblasen. Und dennoch ein großartiger Song mit viel Seele, die akkustisch gespielt ihre nötige Aufmerksamkeit erhält. »Something in the air tells me the time is right so we better get on«..

1. Bitter Sweet Symphony
Für viele Menschen der schönste Popsong aller Zeiten, über den man auch in 50 Jahren noch sprechen wird. Und wieder ist klar: ohne die Stimme ginge es nicht. Darum geht’s hier, klar. »I let the melody shine, let it cleanse my mind, I feel free now.«

Mehr Album-Musik, nicht minder großartig: The Strokes, Nada Surf, The Weakerthans, The Libertines, Tocotronic, bandaloop.

NYC Pops

von einbecker am 10.01.2006

1 Kommentar // johnny: Lad' ick mir ma' runter. ;)

Die Lads, die damals (also: 2001) den Rock’n'Roll gerettet haben, kamen nicht (wie ihre heutigen Kollegen) aus England, Schottland oder Schweden, sondern aus der Stadt, die schon von Frank Sinatra besungen wurde. Und dieser Tage ist ihr drittes Album erschienen. Auch wenn sie von Johnny als irrelevant deklariert wurden, sind sie es, vom Plattenteller her, definitiv nicht. Klar — im Vergleich zum Erstling ist das nicht das gleiche »Neue« was es damals war. Aber dem möchte man als Gegenargument gerne Oasis oder Franz Ferdinand entgegenschmettern. Egal, hier jedenfalls die fünf besten Stücke der ersten beiden Platten (als Kaufanreiz für No 3, lohnt sich!):

5. Take It Or Leave It
Entweder/oder-Aussagen sind ja seit the Clash beliebtes Stilmittel der Titelgestaltung. Hier im gut gemeinten und rotzig vorgetragenen Hinweis an eine Freundin, sich entlich zu entscheiden, sonst geht eh alles den Bach herunter. Und der Sound bringt genau dieses »liebevoll zuwenden« — »Rat wütend vortragen« passend rüber.

4. Is This It?
Der Titel- und Ersttrack des Debütalbums steckt gleich erstmal die Grenzen des Strokessounds ab: Ein Pfosten links (Verzerrer im Gesang), einer rechts (nölige Stimmlage), vorne (getragene, ja genudelte Gitarren), hinten (schmückendes Beiwerk: Schlagzeug, Bass). Und auf diesem Mini-Grundstück wird gleich mal ein Hochhaus gebaut, das man aus den Einzelkomponenten nie vermutet hätte.

3. Reptilia
Charakteristisch für das zweite Werk ist passenderweise das zweite Stück von ebenjenem. Das eben erwähnte Beiwerk geht nach vorne, die Stimme ist nicht mehr ganz so gelangweilt, die Gitarre trägt richtige Melodiebögen vor, und der Erstling wird gerne zitiert (»Take me, now leave me«).

2. Last Night
Der Tanzbodenkracher schlechthin. Ich weiß nicht, wie viel Schweißverlust ich diesem Lied zu verdanken habe, aber das m vor der l-Skala kann getrost gestrichen werden. Direkt aus dem Plattenschrank der Eltern geklaut, möchte man meinen — und viele denken bis heute noch, dass sowas nur ein 1:1-Cover sein kann. (Sich bedienen heißt übrigens nicht klauen, everyone!) Der Mitwippreflex jedenfalls ist spätestens nach zwei Tönen initialgezündet, und wer sich hier nicht gehen lassen kann, sollte dringend zum Psychater.

1. 12:51
Nicht extrem tanzbar wie Last Night, auch nicht so stilwechselnd wie Reptilia, dazu noch billige Claps und ein einfacher Hook. Aber wie sagte schon Olli Schulz: Du brauchst diese Hookline! Und hier ist sie, vielleicht der Prototyp aller Hooklines, die einen einhüllt in den dünnen Faden dieses kurzen Songs, der einem danach nicht mehr aus dem Kopf will.

Kein Surf

von einbecker am 07.12.2005

Auf diesen Kracher eine Nachfolgesingle rauszubringen, ist naturgemäß schwierig — gute Bands machen das nach einem zweier Beliebter Muster: a) Stilwechsel und b) weiter wie gewohnt. Da Top 7 einfach Scheiße klingt, machen wir weiter mit einer Band, die jeder kennen sollte und von denen keiner eine Single hat (Danke für die Formulierung, Herr Waldar. Ebendieser macht auch Werbung für eine Veranstaltung, die sich kein Rheinländer entgehen lassen sollte: Ein Nada-Surf-Konzert. Hier die fünf besten Songs, die einen dort erwarten:
(ein klein wenig probehören)

5. Popular
Wer schon immer wissen wollte, wie populärsein funktioniert, bekommt hier eine Anleitung, die, eigentlich untanzbar, trotzdem in keiner Indiedisko fehlen darf. Das ganze ziemliche simpel gehalten, kann man sich wunderbar auf den Text konzentrieren. Beinahe (und darum sind wir froh) wäre das Lied zum Soundtrack eines Onehitwonders geworden…

4. Amateur
Vom Zweitwerk der Band gibt es nur schwieriges zu berichten: Zu wenig eingängig, zu wenig hitpotential, deshalb nur in Europa veröffentlicht. Dabei hätten sie mit Amateur schon einen perfekten Hymnenpopsong geschrieben — wenn nicht noch bessere gefolgt wären.

3. Blizzard Of ‘77
Der Opener, einfach mit Gitarre und Gesang, trägt den neuen Geist der »Let Go« ins Wohnzimmer des Hörers. Und sagt mit »but in the middle of the night i worry it’s blurry even without light« mal eben, warum es manchmal eben so ist.

2. Do It Again
Schlagt mich, aber ich höre hier Coldplay in gut durch. Ähnliche Songstruktur, markante Stimme und dann diese lauter werdenden Stellen. Natürlich viel besser, besser viel natürlicher. Der Name des Albums »Weigth Is A Gift« kommt hier zum vorschein, und der Hörer ist verzaubert.

1. Blonde On Blonde
»everyone else rushing round I’ve got blonde on blonde on my portable stereo« Ja, mit Musik ist es anders. Und da kann Gewicht auch mal ein Geschenk sein. Kaufen/Hingehen/Mögen!

(Und die Herren Kritiker: Für die Songauswahl Keine Rechtfertigung für die Auswahl, denn egal was man nimmt, ist es eh immer gut.)

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