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Schlechte Werbung

von Orlando am 19.02.2008

Gibt es nicht, ich weiß das nur zu gut. Denn zwar besitze ich einen Fernseher, doch sobald Produktinformation läuft, zappe ich weg. Der wortwörtliche Adblock-Thumbnail ist eben auch ein Ritual. Dennoch, manchem entgeht man nicht.

5. Kontextinsensitivität
Mädchenhändler werben ihre Opfer immer häufiger im Internet über Jobangebote und Chatrooms an.
Schlimme Sache. Aber Hilfe naht am Seitenende.
Aktuelle Stellenangebote im Online-Portal des Standards.
.oO(Senden Sie uns Ihren bebilderten Lebenslauf – und die Reisedokumente im Original)

4. Ricola
Gegen Chweizer Chräuterzucker verblassen selbst Gugelhupf-Operettenliga-Sisi-Melange-Klischees. »Wer hat’s erfunden?« ist nicht die Frage, sondern »Wer kennt einen nicht stigmatisierten Schweizer?«

3. Volksbank
»V« wie Flügel. Ganz tolle Idee, Folksbank. Leistet man der Züchtung neuer PISA-Idioten doch gekonnt FVorschub, weil man sich irgendwie doch nicht traut, das Sujet passend zur ersten Szene mit einem »V wie Vögeln« zu präzisieren. F-Word-Pun intended.

2. Danone Activia
Wirkt angeblich gegen Verdauungsprobleme und macht den stockenden Magen-Darm-Trakt zum Fallrohr.

Activia enthält die speziell von Danone ausgewählte Kultur Acti Regularis, die aktiv für das Gleichgewicht des Verdauungssystems sorgt.

So muss man Essen heutzutage bewerben: Asche zu Danone, Activia zu Kacktivia.

Activia ist besonders mild und cremig und somit eine sanfte Alternative, um sich wieder wohler zu fühlen.

Cremig entspannen. Herrlich!

1. QVC
Die Corporate Identity und überhaupt alles scheint ein Widerhall aus den 1980ern zu sein. Meine Güte, dieser Sender überschreitet jegliche Fremd­peinlich­keits­schwelle. Doch das Programm ist immer live und dann manchmal richtig gut.

Rituale

von einbecker am 18.02.2008

8 Kommentare // joerg: Nee, nicht in Bettnähe. Aber nicht wg. der Wellen, sondern weil ich sonst öfter als 2x Schlummern …// Armin: Eingeschaltetes Mobiltelefon ueber Nacht direkt am Bett, am besten noch am Kopfende? Ja, seid Ihr de…// Bernd: sehr schön.. *sichabsolutwiedererkannthaben*// Orlando: Größtenteils Zustimmung zu Punkt 4 (-Hochbett, +Breitbett), nur das erlöschende Handydisplay besc…// Schuer: Wecker mehr als 3 Meter entfernt. Nur so geht's. // […]

Man sagt, der Mensch sei ein Gewohnheitstier. Natürlich bestreitet jeder halbwegs unvernünftige (→ Tocotronic) Mensch, Rhythmen zu folgen — oder dass diese gar seinen Alltag bestimmten. Doch in aller Unvernunft, die ich immer wieder an den Tag lege, sind doch gewisse Muster zu erkennen.

5. Fernsehen
Als Nichtfernseherbesitzer etwas paradox, aber Sportschau am Samstag und Tatort am Sonntag gehören zu einem gelungenen Wochenende einfach dazu.

4. Schlafen legen
Seit ich in dieser Wohnung wohne der gleiche Vorgang: Wecker des Mobiltelefons auf die gewünschte Urzeit gestellt, auf die Seite des Hochbetts gelegt, Hochbettlicht (Wechselschalter unten) angestellt, Zimmerlicht aus, Leiter besteigen, Hochbettlicht (Wechselschalter oben) aus. Oder noch ne Runde lesen.

3. Aufstehen
Mobiltelefonwecker klingelt, also aus (Handgriff, der so automatisiert wurde, dass er mich noch Jahre verfolgen wird. Das Telefon liegt hierbei immer an der gleichen Stelle, so dass ich diesen Vorgang wortgetreu im Schlaf erledigen kann.). Hinabsteigen, Handtuch und Unterhose greifen, Bad (rein), Klo, Zahnbürste, Dusche, Bad (raus), anziehen, ApfelBanane greifen und zur Straßenbahn. Körper nach Geldbörse, Telefon, Schlüssel und iPod abtasten. In diesem Moment das erste mal die Augen öffnen. Dabei bin ich Frühaufsteher.

2. Kaffee
Kaffee gibt es 0-3 Male pro Tag: Keinen beim Frühstück, einen beim Mittagessen (Mensavollautomat), wenn man Zeit hat; einen um fünf, wenn man früh zu Hause eintrifft (Bohnen in Mühle, Pulver in Kanne, Milch in BestenMilchaufSchäumerDerWelt, warten, genießen) und abends einen Espresso, wenn man noch weggeht.

1. Bier
Hier geht es nicht um die Frequenz oder Intensität des Genusses, sondern um eine Angewohnheit, die viele Biertrinker kennen werden: die Etiketten so ab- oder anzuknibbeln, dass man erkennen kann, welches Bier das eigene ist. Meine Erkennungsmarke: Beckslabel vorne links abgezogen, Silberpapier oben zwei- bis dreifach eingerissen.

Lagerfeuerromantik

von einbecker am 15.02.2008

5 Kommentare // faulit: Ich muss zugeben das Buch bisher noch nicht gelesen zu haben.// einbecker: Ganz wie Du magst. Zu der Frage -- siehe rechts oben: "Fünf Dinge in einer Liste. In Anlehnung an N…// faulit: Ja, hab ich. Allerdings überleg ich noch, ob ich den Text wirklich zum veröffentlichen vorschlagen…// einbecker: Musst Du vielleicht mal ganz hören... Aber Geschmack ist ja bekanntlich Geschmackssache. Hast Du ei…// faulit: Ja, das hat was. Vor allem Bob Dylan. Nummer eins fand ich dann allerdings nicht so bahnbrechend, ve…

Passend zum gestrigen Feiertag der Geschenkindustrie, den ich traditionell durch vor- und nachschenken umgehe, heute die Musik dazu: Einzelkünstler, die anders als die so genannten Soloartisten der Musikpreiswelt wirklich noch alles selbst machen. Und da wir noch genügend Musik auf so ner tollen GEMA-Lizenz rumliegen haben, nutzen wir die einfach:

M4V-Direktlink.

[Update: Im Flashplayer bitte vorerst auf Sekunde 6 vorspulen, die M4V-Datei hat zumindest meinen Safari zum absturz gebracht, also eher nicht klicken. Hoffentlich nur temporär, Entschuldigung hierfür.]

[Update: Alles wieder gut.]

Sing it like Beckham

von Schuer am 11.02.2008

Neulich ging’s um The National (in »2007: Platten, die überzeugten«) und Matt Berningers tiefartige Singstimme. An dieser Stelle nun: Müsste ich singen und könnte mir die passende Stimme dazu aussuchen, hätte ich gerne eine Mischung dieser fünf:

5. Steven Tyler, Aerosmith
Bild: Tpape, http://flickr.com/photos/tpape/557785655/Im Gegensatz zu AC/DCs Brian Johnson, den Zigarettenkonsum und Pressatmung langsam dahin riffraffen, scheint Steven Tyler auch im hohen Alter noch immer recht fit – nicht entspannt – im Hals zu sein. Besonders auffällig wird das immer dann, wenn sich angehende Casting-Opfer mit durchaus passablen Stimmen an »I don’t want to miss a thing« versuchen und noch vor der Bridge jämmerlich verrecken. »I don’t wanna faaaaaall asleeeep..« (bei 03:32) kann niemand auf der Welt so melodisch kotzen wie Steven Tyler.

4. Richard Ashcroft, Ex-The Verve
Bild: qnibert00, http://flickr.com/photos/qnibert/279752494/Es soll Leute geben, die »Bitter Sweet Symphony« als den Popsong des Jahrhunderts bezeichnen – wenn nicht, habe ich es mir gerade ausgedacht. Das Lied hat nichtmal einen richtigen Refrain (Pearl Jam hat das mit 3/4 ihres Repertoires geschafft), fühlt sich aber so an, als liefe es im Dauer-Chorus. Besondere Merkmale: das Knarzen der ashcroftschen Stimme, wenn sie sich von unten nach oben hangelt, anstatt direkt dorthin zu springen. Übersteuern, ohne auszubrechen. Rotzig, dreckig, aber immer auch lovely. Ashcrofts Frequenzspektrum könnte man kaum aus einer Geräuschkulisse extrahieren; aber wenn man genau hinhört, bemerkt man ein leichtes Schimmern. »As he faced the sun he cast no shadow.« (Oasis)

3. Xavier Naidoo, Söhne Mannheims
Bild: Howie_Berlin, http://flickr.com/photos/howie_berlin/366353927/Wer an dieser Stelle aussteigen möchte: bittesehr. Man kann ihn ignorieren, verachten, beneiden oder bemitleiden; aber sollte man sich dazu entscheiden, ihm zuzuhören, wird man bemerken, wie großartig seine Stimme ist.
Nur fehlt seinen Liedern heute etwas. Damals hatten sie – wenn man dafür empfänglich war – Seele und Bass, waren nicht von dieser Welt.
Heute sampelt es vor sich hin, und dieser Weg will ein leichter sein. Wo willst du hin, Xavier? »Jah is changing all«.

2. Adam Duritz, Counting Crows
Bild: It's been so long since I've seen the ocean, http://flickr.com/photos/kittenlovers/2236951452/Die Band lebt fast ausschließlich von Duritz’ Stimme. Die Musiker sind vermutlich beliebig austauschbar, und selbst dirty ol’ Slash könnte die Gitarre bedienen, solange man nur die Crows nicht um ihre Stimme beschneidet.
Die Musik schlendert entsprechend unfokussiert durch Gegenden zwischen brilliant und la-la, Hollywood und somewhere in Baltimore, Radio Eins und VH-1. Nur seine Stimme, die klingt immer gleich, auch wenn sie jeden ihrer Songs live vollkommen anders als im Studio spielen. »All of the beautiful colors are very very meaningful.« (Mr. Jones)

1. Brian Molko, Placebo
Bild: Vento di Grecale, http://flickr.com/photos/ventodigrecale/177202826/Klingt gepresst und kommt dennoch bis nach ganz vorne. Scheint in den höheren Lagen zu zerbrechen und schafft es immer, penetrant durchzuhalten. Singt traurig, macht aber glücklich. Wirkt abwesend und steht dabei direkt neben dir.
Ich habe nie ernsthaft verstanden, was an Placebo so genial ist. Und es interessiert mich einen Scheißdreck. »Baby.. did you forget to take your meds?« (Meds)

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