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Thema »Best-of-a-Band«, Seite 2

Richard Ashcroft – Let the melody shine.

von Schuer am 20.01.2006

Richard Ashcroft - Keys To The WorldEine der größten intensivsten Stimmen unserer Zeit, was jetzt eindeutig pathetischer klingt als es ist, erschien heute mit einem neuen Album Keys To The World. Ein guter Zeitpunkt, um die bisherigen Highlights anzubringen. Hier also die Top 5-Songs des Richard Ashcroft, Ex-The Verve-Sänger und derjenige, dem Oasis’ Noel Gallagher das Lied Cast No Shadow gewidmet hat.

Update 26.1.: Laut.de etwas ernüchternd über das neue Album: »[Es] fehlt den Songs das wahre Gefühl, die ernsthaft große Geste.«. Ihr müsst das laut hören, liebe Redaktion!

(Reinhören könnte ihr auf den verlinkten Seiten!)

  • Die neue Single verspricht Großartiges. Gewohnte Harmonien gleich am Anfang, bevor’s zum typisch schwebenden Refrain kommt, der über alles erhaben ist. Ashcroft-Fans lieben das Lied nach spätestens 3 Takten, das ist klar.

  • Songs, in dessen Lyrics multiple »Yeah«’s (oder »Na«’s) auftreten, sind selten langsam. C’mon People ist dementsprechend eins der schnelleren Stücke, was nicht heißen muss, dass es rennt oder hetzt. Es bleibt entspannt, »I feel fine now«.

  • Wahrscheinlich genau das Lied, das den Charakter Ashcrofts am deutlichsten wiedergibt. Check the Meaning ist Richards Street Fighting Man, sein Waterloo oder All You Need Is Love. Besondere Empfehlung der anwesenden Top 5-Redaktion: der Chris Potter Remix (leider nicht im Shop verfüg- und reinhörbar), der reduziert schwingt und das Lied knackig auf den Punkt bringt, ohne dabei an Eleganz zu verlieren.

  • Diesmal gleich die Empfehlung vorab: die Acoustic Version (leider nicht im Shop verfüg.. you know) ist das besondere Highlight. Das Original hingegen wirkt zu verspielt und aufgeblasen. Und dennoch ein großartiger Song mit viel Seele, die akkustisch gespielt ihre nötige Aufmerksamkeit erhält. »Something in the air tells me the time is right so we better get on«..

  • Für viele Menschen der schönste Popsong aller Zeiten, über den man auch in 50 Jahren noch sprechen wird. Und wieder ist klar: ohne die Stimme ginge es nicht. Darum geht’s hier, klar. »I let the melody shine, let it cleanse my mind, I feel free now.«

Mehr Album-Musik, nicht minder großartig: The Strokes, Nada Surf, The Weakerthans, The Libertines, Tocotronic, bandaloop.

NYC Pops

von einbecker am 10.01.2006

Die Lads, die damals (also: 2001) den Rock’n'Roll gerettet haben, kamen nicht (wie ihre heutigen Kollegen) aus England, Schottland oder Schweden, sondern aus der Stadt, die schon von Frank Sinatra besungen wurde. Und dieser Tage ist ihr drittes Album erschienen. Auch wenn sie von Johnny als irrelevant deklariert wurden, sind sie es, vom Plattenteller her, definitiv nicht. Klar — im Vergleich zum Erstling ist das nicht das gleiche »Neue« was es damals war. Aber dem möchte man als Gegenargument gerne Oasis oder Franz Ferdinand entgegenschmettern. Egal, hier jedenfalls die fünf besten Stücke der ersten beiden Platten (als Kaufanreiz für No 3, lohnt sich!):

  • 5. Take It Or Leave It

    Entweder/oder-Aussagen sind ja seit the Clash beliebtes Stilmittel der Titelgestaltung. Hier im gut gemeinten und rotzig vorgetragenen Hinweis an eine Freundin, sich entlich zu entscheiden, sonst geht eh alles den Bach herunter. Und der Sound bringt genau dieses »liebevoll zuwenden« — »Rat wütend vortragen« passend rüber.

  • 4. Is This It?

    Der Titel- und Ersttrack des Debütalbums steckt gleich erstmal die Grenzen des Strokessounds ab: Ein Pfosten links (Verzerrer im Gesang), einer rechts (nölige Stimmlage), vorne (getragene, ja genudelte Gitarren), hinten (schmückendes Beiwerk: Schlagzeug, Bass). Und auf diesem Mini-Grundstück wird gleich mal ein Hochhaus gebaut, das man aus den Einzelkomponenten nie vermutet hätte.

  • 3. Reptilia

    Charakteristisch für das zweite Werk ist passenderweise das zweite Stück von ebenjenem. Das eben erwähnte Beiwerk geht nach vorne, die Stimme ist nicht mehr ganz so gelangweilt, die Gitarre trägt richtige Melodiebögen vor, und der Erstling wird gerne zitiert (»Take me, now leave me«).

  • 2. Last Night

    Der Tanzbodenkracher schlechthin. Ich weiß nicht, wie viel Schweißverlust ich diesem Lied zu verdanken habe, aber das m vor der l-Skala kann getrost gestrichen werden. Direkt aus dem Plattenschrank der Eltern geklaut, möchte man meinen — und viele denken bis heute noch, dass sowas nur ein 1:1-Cover sein kann. (Sich bedienen heißt übrigens nicht klauen, everyone!) Der Mitwippreflex jedenfalls ist spätestens nach zwei Tönen initialgezündet, und wer sich hier nicht gehen lassen kann, sollte dringend zum Psychater.

  • 1. 12:51

    Nicht extrem tanzbar wie Last Night, auch nicht so stilwechselnd wie Reptilia, dazu noch billige Claps und ein einfacher Hook. Aber wie sagte schon Olli Schulz: Du brauchst diese Hookline! Und hier ist sie, vielleicht der Prototyp aller Hooklines, die einen einhüllt in den dünnen Faden dieses kurzen Songs, der einem danach nicht mehr aus dem Kopf will.

Kein Surf

von einbecker am 07.12.2005

Auf diesen Kracher eine Nachfolgesingle rauszubringen, ist naturgemäß schwierig — gute Bands machen das nach einem zweier Beliebter Muster: a) Stilwechsel und b) weiter wie gewohnt. Da Top 7 einfach Scheiße klingt, machen wir weiter mit einer Band, die jeder kennen sollte und von denen keiner eine Single hat (Danke für die Formulierung, Herr Waldar. Ebendieser macht auch Werbung für eine Veranstaltung, die sich kein Rheinländer entgehen lassen sollte: Ein Nada-Surf-Konzert. Hier die fünf besten Songs, die einen dort erwarten:
(ein klein wenig probehören)

  • 5. Popular

    Wer schon immer wissen wollte, wie populärsein funktioniert, bekommt hier eine Anleitung, die, eigentlich untanzbar, trotzdem in keiner Indiedisko fehlen darf. Das ganze ziemliche simpel gehalten, kann man sich wunderbar auf den Text konzentrieren. Beinahe (und darum sind wir froh) wäre das Lied zum Soundtrack eines Onehitwonders geworden…

  • 4. Amateur

    Vom Zweitwerk der Band gibt es nur schwieriges zu berichten: Zu wenig eingängig, zu wenig hitpotential, deshalb nur in Europa veröffentlicht. Dabei hätten sie mit Amateur schon einen perfekten Hymnenpopsong geschrieben — wenn nicht noch bessere gefolgt wären.

  • 3. Blizzard Of ‘77

    Der Opener, einfach mit Gitarre und Gesang, trägt den neuen Geist der »Let Go« ins Wohnzimmer des Hörers. Und sagt mit »but in the middle of the night i worry it’s blurry even without light« mal eben, warum es manchmal eben so ist.

  • 2. Do It Again

    Schlagt mich, aber ich höre hier Coldplay in gut durch. Ähnliche Songstruktur, markante Stimme und dann diese lauter werdenden Stellen. Natürlich viel besser, besser viel natürlicher. Der Name des Albums »Weigth Is A Gift« kommt hier zum vorschein, und der Hörer ist verzaubert.

  • 1. Blonde On Blonde

    »everyone else rushing round I’ve got blonde on blonde on my portable stereo« Ja, mit Musik ist es anders. Und da kann Gewicht auch mal ein Geschenk sein. Kaufen/Hingehen/Mögen!

(Und die Herren Kritiker: Für die Songauswahl Keine Rechtfertigung für die Auswahl, denn egal was man nimmt, ist es eh immer gut.)

The Schwächerals

von einbecker am 17.11.2005

Leider, leider gibt es großartige Bands, die anscheinend für immer im Untergrund der Kleinstclubs versteckt bleiben. Wir sehen es als unseren popkulturellen Auftrag an, diesem Trend ein kleinstwenig entgegenzuwirken, auch wenn hier eh die meisten so sozialisiert sind, dass sie die the Weakerthans schon kennen. Die fünf schönsten Lieder: (Der Herr Amazon hat klasse Möglichkeiten, da mal reinzuhören.)

  • 5. Wellington’s Wednesdays

    Das ich lieder über zurückgelassene Städte mag, weiß ich ungefähr seit Tocotronics »Gott sei Dank haben wir beide uns gehabt«. Hier ein weiterer Vertreter dieser Songgattung, der von Vereinsamung und TV-blauen Vorhängen erzählt.

  • 4. The Reasons

    »You might role your eyes at this, but I’m so glad that you exist.« — So hört es sich an, wenn man sich auch noch liebt, selbst wenn der erste Putz von der Fassade des Partners gebröckelt ist, die ersten Streitigkeiten überstanden und doch immer spürbar bleiben.

  • 3. Aside

    Der Fuß wippt mit der Gitarre im Takt, und wir erkennen uns, alleine, frisch verlassen, erschrocken von jedem Telefonklingeln, sich etwas stark auf Ironie und Alkohol verlassend. »And I’m leaning on this broken fence between past and present tense. And I’m losing all those stupid games that I swore I’d never play — but it almost feels okay.«

  • 2. One Great City!

    Ironie hatten wir ja schon, Stadtsongs auch — an dieser Stelle kombiniert zu einem zweigitarrigen, langsamen Akkustikstück, der diese Storytellerstimme perfekt herausbringt. »I hate Winnepeg!«, und wir glauben ihm, dass die Stadt hasswürdig ist, wenn die Routine einzug erhält, die Jets wieder veloren haben und man zum hundertsten Mal den gleichen Weg geht.

  • 1. Confessions Of A Futon-Revolutionist

    Als linker Protestler hat man es schwer heutzutage: Keine großen Antikriegsdemos, 68er-Studenproteste oder ¬ß218-Gerangel, denen man sich einfach anschließen könnte. Dazu hat man es auch noch leicht: Zu dem Futonbett gesellen sich moderne Annehmlichkeiten wie Internet und Sofa, man ist schließlich modern und links. Klar, man ist dagegen — aber wogegen eigentlich genau? Sollen wir etwa »We shall Overcome« singen? Nein, dann lieber die Weakerthans. Und nachher verlasse ich meine Wohnung, um Alkohol zu kaufen. Versprochen.

What became of the likely Lads?

von einbecker am 11.11.2005

Was immer auch der gute Herr Wigger schreibt: Die Babyshambles sind nichts als ein schmutziger Vorband-Abklatsch. Und unseren Aufruf, den Herrn Doherty History zu machen, sind andere besser gefolgt als wir selbst. Aber auf diese Vergangenheit, die aus den Libertines besteht, kann man trotzdem zurückblicken. Zwei Alben mit 25 Songs und ein paar B-Seiten. Zwei Protagonisten, die sich wohl zerrieben haben, aber dabei einen Brand entfacht haben, der weithin als gute Musik verstanden wird. Hier die fünf besten Funken: (Probehören? Auf die Webseite gehen und Jukebox klicken!)

  • 5. Vertigo

    Billiges Händeklappern. Eine Hookline, rauf und runter gespielt. Beim Produzieren wurde anscheinend darauf geachtet, das Rauschen noch weiter in den Vordergrund zu mixen. Der Gesang — eine Mischung aus nasalem Gesang und nasalerem Geschrei. Noch was? Ach so: The Twist, The Tanzbarkeit. Ein hämmernder Bass- und Drumbeat. »Energie!«, um mal Herrn Enterprise zu zitieren. Großartig — der Durchbruch, was die Indiedisko angeht und immernoch auf keiner (guten) Party fehlen darf.

  • 4. Arbeit Macht Frei

    Wer braucht schon Dreiminutensongs, wenn man auch in einer davon einen Nazislogan verarbeitenheizen kann? Der Kopf zuckt unweigerlich mit, auch wenn außer der deutschen Textzeile nichts verstanden wird. Mehr Brakes, mehr Solos und mehr Drums gehen in einer Minute eigentlich nicht.

  • 3. What Katie Did

    Was dem ARD-Zuschauer seine Dieter-Thomas-Heck-Musik, lässt hier die Indieherzen schunkeln. Sie können auch ruhig, besonnen, ja natürlich: zerbrechlich. Das fängt schon mit der Gitarre an, leise angeschrammt und ein wenig über das Becken gestrichen. Den Text etwas von Cher geklaut — und über die »Cruel cruel world« haben auch schon andere gesungen. Trotzdem eingehakt und mitgewippt, denn man soll schließlich niemals nie sagen…

  • 2. Can’t Stand Me Now

    Was für ein Opener! Allen Bewunderern von Album eins und Skeptiker vor Numero Zwei dürfte sich nach ca. drei Takten (bei Wigger warens garantiert nur zwei) die Kinnlade in ein Scheunentor verwandelt haben. »You can’t stand me now!« sangen sich die beiden Streitköpfe zu. Und man wusste, das es Ernst war. Und doch so viel Liebe darin mitschwang, dass eigentlich klar war, dass es schiefgehen muss.

  • 1. Boys In The Band

    Damals, beim ersten Album, da wurde die Band noch hoch gehalten. Und die Fans, beziehungsweise das Fansein. Man muss nicht guter Musiker sein, um gute Musik zu machen. Man muss auch nicht wissen, wie der perfekte Popstar-Dreiklang lautet (Gis-Dur, für Kenner. Oder so…). Statt dessen lebt und liebt man die Musik, dann kann nichts schiefgehen, außer vielleicht dem eigenen Leben.

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