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2007: Platten, die überraschten

von einbecker am 06.01.2008

Nicht nötigerweise die besten Platten, aber vielleicht Dinge, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte:

  • 5. Jamie T.: Panic Prevention

    Die Entertainerqualitäten des Herrn Treays durfte ich im Juli beim Melt bewundern, einige Monate davor schon spielte seine Panikprävention auf meinem iPod. Die Mischung aus Vergangenheit und Zukunft, aus (auch ich muss den Skinner-Vergleich bringen) Streets, Strummer und Arctic Monkeys, mit programmierten Drums, Samples und Keyboards. Und auch wenn sie sich doch recht schnell plattgehört hat: Es war doch etwas Neues. Auf der Bühne sieht er übrigens jünger aus als im Video.

  • 4. Tele: Wir brauchen nichts

    So unaufgeregt gut gab es Deutschsprachiges schon lange nicht mehr. Und auch wenn ich Tocotronic und Co. auf ewig verehren werde, es ist gut, dass manche es auch anders machen. Dieser Umgang mit der Sprache, lässiger gerappt als die Fantas auf den letzten fünf Alben, mehr Swing als jede Cicero-Single und dabei eine Coolness, die allerhöchstens noch Yetis aufbringen können.

  • 3. Figurines: When The Deer Wore Blue

    Ich muss gestehen, dass unsere nördlichen Nachbarn erst letztes Jahr auf meinen Radar erschienen, und so musste ich eben grade mit erschrecken feststellen, dass When The Deer Wore Blue schon zwei Vorgänger hat. Auch wenn demnach meine folgenden Worte etwas falsch klingen mögen (und es generell wahrscheinlich auch generell sind, aber egal!): Der gefühlt unpeinlichste Falsettogesang seit den Queens Of The Stone Age. Country hör ich übrigens auch raus! Und Bärte! Und Blue Screens!

  • 2. Kate Nash: Made Of Bricks

    Ich glaube, Konstantin schrieb mal von 11 Londoner Akzenten, die es selbst Einheimischen schwer machen, jemanden einem Stadtteil zuzuordnen. Nun ist es mir relativ sehr egal, welcher diese Akzente es denn ist, der da so schön über die Beziehungsprobleme seiner Besitzerin sinniert, solange er es möglichst noch auf den nächsten 10 Platten macht (oder optional natürlich mich heiratet, aber in schöne Akzente verliebt es sich auch leicht, vgl. Nouvelle Vague). Und wenn jetzt jemand mit »Pop! Ausverkauf!« kommt, dem kann ich nur ein »Stop beeing a dickhead!« entgegenschmettern.

  • 1. Mark Ronson: Version

    So ich noch nicht alle Kommerz!-Schreier schon mit Nō. 2 vertrieben habe, kommt hier der ultimative Schocker. Es tut mir ja selbst ein bisschen Leid, gerade als jemand, der an sich (aber natürlich mit Ausnahmen) auch die dauernden CountryBossaCheesyCover ablehnt. Aber wenn es jemand schafft, aus einem Coldplay(!)-Stück ein großartiges(!) Instrumental(!) zu machen, dann horche ich auf. Und lege die Ohren erst wieder an, wenn auch Britney, die Zutons oder die Smiths verwurschtelt und neu zusammengesetzt wurden. Wenn sowas auf so verzückende Art und Weise geschieht, ja mei, da gehört das eben hier auf Platz eins, so einfach ist das — selbst, wenn die unvermeindliche Amy mit auf die Bühne geholt wird.

2007: Public Enemy #1

von Orlando am 05.01.2008

Unglaublich eigentlich. Auf der Couch lümmelnd der Zufallsplaylist lauschend spricht Chuck D die Worte »That’s right. Public Enemy #1. 20 years.« zu mir und ich kann es zunächst nicht glauben. Kann das sein? 1987? Die akribisch gepflegten iTunes-Metadaten bestätigen ihn. Ich höre seit 20 Jahren Rap.

Guten Rap mit ausgefeilten Texten und einer Botschaft. Public Enemy, politisch, radikal, the black CNN. Native, nicht Indie. Kein Vergleich mit deutscher Ghettobarbarei, deren Protagonisten künftig Fußgängerzonen verunsichern und Passanten mit »Haste Worte?« anschnorren werden. Hier also die Meilensteine zwanzigjährigen Schaffens in Form der besten fünf (von insgesamt zwölf) Alben und deren jeweils besten Tracks.

My Five (Well, Four) Scottish Bands of the Moment

von Armin am 04.01.2008

Apparently Mr Einbecker is sick. Man flu, presumably? Or has that Norovirus found its way across the channel? May be some music will cheer him up. Here are five Scottish bands I quite like listening to at the moment. Come to think of it, not only at the moment.

Yes. I know that one band receives two mentions. So technically this isn’t really a top five. And?

2007: Platten, die bestätigten

von einbecker am 03.01.2008

…von welch großen Bands sie kommen. Auch wenn Sie mich nicht bis in die letzten Haarspitzen begeistern konnten, für Deck-, Achsel- und Brustbehaarung reichte es durchaus. Die besten fünf derer:

  • 5. Editors: An End Has A Start

    Ein Album, das so beginnt, kann gar nicht schlecht sein. Es könnte zwar ein wenig größer sein, ein, zwei Gramm weniger Coldplay auflegen, aber insgesamt zeigen die Editors, die sich der Nähe zu R.E.M., Interpol und englischen Schmachtgesängen durchaus bewusst sind, dass sie auf ganz eigenen Beinen stehen.

  • 4. The Coral: Roots & Echoes

    Silvester traf ich einen Freund aus alten Tagen wieder, mit dem ich damals des öfteren Gespräche führte, die sich auch um the Coral drehten. Wir wahren beide glühende Verehrer dieser Band und wussten doch, dass sie in zehn Jahren in keinerlei Popmusikkanon dieser Dekade auftauchen würde, denn sie schrammen mit jedem Langspieler zielsicher knapp an dem Hippiepopalbum vorbei. Auch wenn hier die Verschrobenheit ein wenig mehr zurückgelehnt erscheint, so zeigen doch die anderen Stücke, dass da noch viel gedreht werden kann. Und muss.

  • 3. Stars: In Our Bedroom After The War

    Sie begannen natürlich damit, als ich sie letzten Herbst eigentlich zwei Mal sehen wollte. Großartiges Stück einer wunderbaren Band, die es auch mit eher gewagten Bühnenoutfits (hellgrauer Anzug meats Schweiß…) schafft, so tolle Musik zu machen, dass man sich und die Welt herum vergisst. Einziger Kritikpunkt dabei ist vielleicht, dass man dabei auch sehr schnell die Platte wieder vergisst, wenn der Tonarm die Mitte erreicht hat.

  • 2. Bloc Party: A Weekend In The City

    Endlich mal eine Band, die nicht die gleiche Platte zum x. Mal auflegt. Endlich mal eine Band, die weiß, wo ihre Stärken sind. Was sich jetzt erstmal sehr merkwürdig anhört, wird schnell nach mehrmaligem Anhören klar: Die Kombination aus Stimme, Beat und Melodie ist einfach einmalig, und um so wichtiger, wenn sie nicht stehen bleibt, auch wenn dabei vielleicht nicht ganz so ein Meisterwerk wie Silent Alarm herauskommt. Und hey, so langsam gibt es endlich wieder Konzeptalben!

  • 1. Interpol: Our Love To Admire

    Diese Entscheidung fiel schwer, und garantiert nicht mit dem Herzen. Keine Band hat mir wahrscheinlich in den vergangen Jahren mehr feuchte Augen beschert, habe ich häufiger vergöttert für mathematische Präzision, für das Treffen der genauen Grenze zwischen zu viel und zu wenig Emo. Auch für dieses Album. Aber, und es ist ein großes Aber, ein schweres Aber: Ich muss eingestehen, dass es nicht zu den fünf besten des Jahres gehört. Punkt.

Und diese Liste greift zu kurz: Es fehlen die Babyshambles, the Arcade Fire, Radiohead, the Shins, Dinosaur Jr., Kings Of Leon, the Weakerthans, Moneybrother, Modest Mouse und (ja, auch) die Smashing Pumpkins. Und es werden durchaus Alben darunter sein, die ich später auf den Plattenteller lege und gerne hören werde, denn sie sind ja, und das wichtigste: großartige Musik. Und nicht nur das, sie spielen auch tolle Konzerte. Und auch wenn mich zumindest Plätze drei bis eins dieses Jahr schon bis an die Tränen gerührt haben, und auch, wenn ich die Perfektion gerade von Platz eins (Pioneers. To. The. Falls.) beängstigend schön finde: Es hat nicht zur wirklichen Top Five gereicht.

Kranktags

von Orlando am 02.01.2008

Was nicht umbringt, macht hart. Dachte ich jedenfalls und sortierte das beiläufige Niesen, die schwindelnde Konzentration und den Arbeitseifer unter Montag ein. Am Dienstag war es dann so weit. Dinge also, die trotz des Krankseins noch möglich sind.

  • 5. TheyTube 1.0

    Oder sich beim Fernsehen ausruhen, wie es die alten Leute nennen. Das Sein über das Tun, den heißen Tee auf, die Füße unter den Couchtisch und den Fernseher anstellen. Rabenschwarze Abgründe in Sozialpornos, eingeborene Musikanten, Gold-Pailletten-Verkaufspersonal – entartete TV-Kultur, wie ein Katholiban sie nennen würde. Würde ich nicht, aber genau sie, die Würde fehlt gänzlich, sohin ich als Zuseher alsbaldig.

  • 4. Schönheit, die im Ohr entsteht

    Musik an. Vertraut heisere Klänge lassen mich im Selbstmitleid schwelgen. Er hat’s auch nicht leicht, der junge Antichrist, wo doch allenthalben an einer konservativen neuen Weltordnung gebastelt wird und uns stürmische Zeiten der Datenschnüffelei ins Haus stehen. Nicht mit mir, lustiger kleiner Mann. Ich stehe lieber beim Darniederliegen.

  • 3. Treiben im Netz

    Feeds verschlingen, Mailinglisten lesen, Foren und Nachrichtenseiten abklappern. Am Blog mit der längsten mir bekannten Tragzeit schrauben. Eine Problem­schwanger­schaft, die erste eigene eben, aber das war ja bei extensivem Fremdgehen nicht anders zu erwarten. Also wieder von vorne, nur, wo war ich noch gleich? href-Philipp-Syndrom und Lost in Hyperspace mit so vielen Ideen wie ich sie mir in diesem Zustand keine zwei Minuten lang merken kann. Die Keimzelle aller social-Dingsbumsens hieß bestimmt Grippr.

  • 2. Mieselsucht

    Die Umgebung, nachdem man sich von ihr benieseln und berieseln ließ bemieseln. Der gesunde Geist im einem gesunden Körper impliziert wohlweislich bereits den Antipoden angemessenen Verhaltens. Wir lassen die besten Geschöpfe dieses Planeten an unserem Schicksal zutiefst Anteil nehmen. Wir leiden expressiv. Wir Männer.

  • 1. Der sich schlurfend ankündigende Gang zum Arzt

    Die Nase rinnt, es brennt das Auge und der Brötchengeber darauf, dies bestätigt zu bekommen. Beweislastumkehr mit Betonung auf Last. Oder Beweis, egal. Hingehen. Anmelden. Warten. Links die nervige kleine Tschackelien, rechts der nur alt aussehende Codein. Gut geschätzte 1.000 Lebensjahre auf gezählten 30 Beinen auf wenig geschätzten 15 Quadratmetern. Mit 38,2 °C und Michael Douglas im Kopf ganz jandlesk Top Fünf(t)er sein.

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